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Humboldt-Universität zu Berlin - Lebenswissen­schaftliche Fakultät - Institut für Psychologie

Wolfgang Köhler



Mit dem Umzug des Instituts für Psychologie auf den natur-wissenschaftlichen Campus der Humboldt - Universität wurde dem Institutsgebäude in der Rudower Chaussee 18 der Name „Wolfgang Köhler- Haus“ verliehen.
Das Institut ehrt damit seinen früheren Direktor und Mitbegründer der Berliner Schule der Gestaltpsychologie für sein experimentell - naturwissenschaftliches und persönliches Engagement, dessen wissenschaftliche Erfolge sich in interdisziplinärem Erkenntnisgewinn und internationaler Anerkennung manifestierten.
Wolfgang Köhler 1967 in der Bibliothek des Instituts
Gastvortrag von Wolfgang Köhler 1967 in der Bibliothek des Instituts


Wolfgang Felix Ulrich Köhler wurde am 21. Januar 1887 in Reval (Estland) als Sohn eines Lehrers aus Sachsen-Weimar geboren. Ab 1905 studierte er Philosophie und Naturwissenschaften in Tübingen (2 Semester), Bonn (2 Semester) und Berlin (5 Semester) und promovierte 1909 mit einer tonpsychologischen Arbeit  bei Carl Stumpf, dem Begründer und ersten Direktor des Berliner Psychologischen Instituts. Als Assistent in Frankfurt entwickelte Köhler zusammen mit Max Wertheimer und Kurt Koffka den interdisziplinären Ansatz der Gestaltpsychologie, der das Zusammenwirken von Philosophie und Naturwissenschaften betont. (1920 Buchveröffentlichung „Die physischen Gestalten“).
1914-1920 leitete Köhler die Anthropoidenstation der Preußischen Akademie der Wissenschaften auf Teneriffa und erzielte durch geniale, einfach strukturierte Experimente Erkenntnisse über die Einsichts- und Leistungsfähigkeit der Menschenaffen (1921 Buchveröffentlichung „Intelligenzprüfungen an Menschenaffen“) wie auch über die Grenzen assoziationstheoretischer Erklärungsansätze für Lernprozesse (u.a. in den Abhandlungen der Physikalisch-Mathematischen Klasse der Preußischen Akademie). Es sind dies u.a. polarisierende Fragestellungen nach der Wechselwirkung assoziativer und generalisierender Erkenntnisstrategien, die bis heute aktuell sind und unter unterschiedlicher Akzentuierung und Modellierung diskutiert werden.
1922-1935 war Köhler Direktor des Berliner Psychologischen Instituts und begründete zusammen mit Max Wertheimer, Kurt Lewin, Carl Duncker durch Forschungsarbeiten zur Wahrnehmungs-, Denk-, Lern-, und Motivationspsychologie die Berliner Schule der Gestaltpsychologie. Die naturwissenschaftliche Fundierung und die Interdisziplinarität waren Kennzeichen seines integrativen Wissenschaftsverständnisses und sind bis in die Gegenwart Vorbild und Wegweiser für die Wissenschaftsentwicklung an diesem Berliner Institut.
1935 emigrierte Köhler in die USA, nachdem er sich (als einziger Hochschullehrer in der Psychologie) öffentlich gegen rassistische und politisch motivierte Übergriffe in der NS-Zeit ausgesprochen hatte. 1935-1955 war er Professor am Swarthmore College; 1958/59 Präsident der Amerikanischen Psychologischen Gesellschaft (APA).
Nach dem Krieg hielt Köhler Vorträge und Vorlesungen als Honorarprofessor an der Freien Universität und war 1967 Gast am Psychologischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. Am 11. Juni 1967 verstarb Wolfgang Köhler in Enfield (New Hampshire).

Friedhart Klix demonstriert Wolfgang Köhler (1967) einen Versuchsaufbau
Friedhart Klix demonstriert Wolfgang Köhler (1967) einen Versuchsaufbau (Pupillograhie), im Hintergrund Hans-Dieter Schmidt.