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Humboldt-Universität zu Berlin - Lebenswissen­schaftliche Fakultät - Institut für Psychologie

Einführung in die Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten


Elisabeth Brauner


Inhaltsverzeichnis

1 Titelblatt
2 Inhaltsverzeichnis
3 Die einzelnen Abschnitte einer wissenschaftlichen Arbeit
3.1 Einleitung/Problemstellung
3.2 Methode
3.2.1 Versuchspersonen
3.2.2 Versuchsplan
3.2.3 Material
3.2.4 Geräte
3.2.5 Instruktion
3.2.6 Versuchsleiter/in
3.2.7 Versuchsdurchführung
3.3 Ergebnisse
3.4 Diskussion
3.5 Zusammenfassung
3.6 Literaturverzeichnis
3.7 Anhang
4 Sprachliche Gestaltung
5 Literatur
6 Anhang



1 Titelblatt

Das Titelblatt muss folgende Angaben enthalten:

  1. Titel der Arbeit
  2. Vor- und Nachname der Autorin/des Autors/der Autoren
  3. Matrikelnummer/n
  4. Art der Arbeit (Referat, Semesterarbeit, Praktikumsbericht, Diplomarbeit)
  5. Titel des Seminars/der Veranstaltung, in deren Rahmen die Arbeit angefertigt wurde; Semester (Winter-, Sommersemester, Jahr)
  6. Name der Leiterin/des Leiters des Seminars
  7. Ort und Datum der Fertigstellung

2 Inhaltsverzeichnis

Das Inhaltsverzeichnis enthält alle Überschriften, die im Text vorkommen. Die Überschriften im Text und im Inhaltsverzeichnis müssen vollkommen identisch sein. Ein Kapitel darf nicht im Inhaltsverzeichnis anders heißen als im Text. Das Inhaltsverzeichnis dient dazu, dem Leser/der Leserin einen Überblick über die gesamte Arbeit zu verschaffen. Ferner sind im Inhaltsverzeichnis die Seitenzahlen der jeweiligen Abschnitte anzugeben.

3 Die einzelnen Abschnitte einer wissenschaftlichen Arbeit

Eine wissenschaftliche Arbeit ist stets in verschiedene Abschnitte gegliedert. Diese Abschnitte werden durch Dezimalgliederung (vgl. DIN 1421 von 1975) unterschieden und in Unterabschnitte gegliedert. In der Psychologie hat sich folgende Art der Dezimalgliederung durchgesetzt:

Beispiel:
1 Titel des ersten Hauptabschnitts (1. Stufe)
1.1 Titel des ersten Unterabschnitts (2. Stufe)
1.2 Titel des zweiten Unterabschnitts
1.2.1 Titel des ersten Unter-Unterabschnitts (3. Stufe)
1.2.2 Titel des zweiten Unter-Unterabschnitts
1.3 Titel des dritten Unterabschnitts
2 Titel des zweiten Hauptabschnitts

Zu beachten ist, dass nach jeder Abschnittsnummer in jeder Stufe ein Punkt steht, hinter der letzten Ziffer jedoch kein Punkt gesetzt wird. Bei Numerierungen im Text wird jedoch hinter die Ordnungsziffer ein Punkt gesetzt. Theoretisch kann die Gliederungstiefe des Textes beliebig sein, aus Gründen der Überschaubarkeit sollte jedoch nicht mehr als 4 Stufen tief gegliedert werden. Eine sorgfältige Gliederung lässt sich an der gleichmäßigen Gewichtung der einzelnen Abschnitte und Unterabschnitte ablesen. Ein einziger Unterabschnitt als Untergliederung eines Hauptabschnitts ist sowohl gliederungstechnisch als auch inhaltlich Unfug.

Eine empirische psychologische Arbeit muss gemäß der Vorschriften der American Psychological Association (APA) (1983) folgende Abschnitte enthalten:
1. Einleitung / Problemstellung
2. Methode
3. Ergebnisse
4. Diskussion
5. Zusammenfassung
6. Literaturverzeichnis
7. Anhang

Eine nicht-empirische Arbeit sollte folgende Gliederungspunkte enthalten:
- Einleitung / Problemstellung
- Inhaltlich strukturierte Bearbeitung des Themas (in der Regel mehrere Gliederungspunkte)
- Diskussion / Zusammenfassung
- Literaturverzeichnis
- Gegebenenfalls Anhang (Tabellen, größere Graphiken oder Illustrationen, die sich nicht leicht in den Text einbinden lassen)

Im folgenden werden die einzelnen Abschnitte einer empirischen Arbeit näher beschrieben. Für andere Arbeiten gelten alle Angaben für den nicht-empirischen Teil. Weitere, auch allgemeinere Hinweise für schriftliche Arbeiten im Studium gibt Höge (1994).

3.1 Einleitung/Problemstellung
In der Einleitung wird die Fragestellung einer Untersuchung formuliert. Die theoretischen und/oder empirischen Hintergründe der Fragestellung müssen hier dargelegt werden. Je nach Themengebiet und Literaturlage kann hier keine vollständige Aufarbeitung der Literatur erfolgen, der Leser/die Leserin muss jedoch aufgrund der Ausführungen einen Überblick über den Hintergrund erhalten und die Relevanz der Fragestellung erkennen können. Bei der Darstellung von Befunden, die der Literatur entnommen sind, reicht die bloße Behauptung bei einer wissenschaftlichen Arbeit nicht hin. Hier sind genaue Quellenangaben erforderlich (vgl. Deutsche Gesellschaft für Psychologie, 1987, S. 25ff.). Jede wissenschaftliche Aussage, die nicht von der Autorin/vom Autor selbst stammt, muss belegt werden. (Z. B. schreibt man nicht: "Psychologen haben herausgefunden ..." oder gar "Es ist logisch, dass...", sondern z. B.: "Die Untersuchung von Hassebrauck (1990) zeigt, dass ...".) Im Literaturverzeichnis sind dann die vollständigen bibliographischen Angaben des Werkes aufzuführen (s. u.).

Bei einem Experiment, in dem Hypothesen getestet werden, müssen in der Einleitung die jeweiligen Hypothesen dargestellt bzw. hergeleitet werden. Wie in einem klassischen Kriminalroman (z. B. Agatha Christie) darf auch in einem solchen Bericht in der Einleitung noch nichts über die Ergebnisse verraten werden, auch wenn sie dem Autor/der Autorin bereits bekannt sind.

3.2 Methode
Die Untersuchungsmethode muss so vollständig und ausführlich dargestellt sein, dass die Wiederholbarkeit der Untersuchung gewährleistet ist, dass also jeder Leser/jede Leserin in der Lage ist, die gleiche Untersuchung noch einmal selbständig durchzuführen.
Folgende Angaben sind wichtig:

3.2.1 Versuchspersonen
Anzahl, Alter, Geschlecht, sozio-ökonomischer Status (z. B. Student/inn/en incl. Fakultät und Semesterzahl, Schüler/innen, Kindergartenkinder). Falls Vpn aus den Auswertungen ausgeschlossen werden, müssen die Gründe dafür aufgeführt werden.

3.2.2 Versuchsplan
Darstellung der unabhängigen Variablen; Experimental- und Kontrollgruppe; einfaktorieller, mehrfaktorieller Versuchsplan; Anzahl der Vpn pro Versuchsgruppe etc.

3.2.3 Material
Beschreibung des gesamten Versuchsmaterials (z. B. Größe, Beleuchtung, Farbe bei visuellem Material; Fragebögen, Listen sinnloser Silben, Tests bei verbalem Material). Beschreibung der Erstellung der Materials, z. B. eines Fragebogens.

3.2.4 Geräte
Alle zur Darbietung des Reizmaterials erforderlichen Geräte sind exakt zu beschreiben, wenn sie eigens für die Untersuchung hergestellt worden sind. Bei handelsüblichen bzw. in der Psychologie üblichen Geräten genügt die Angabe des Typus und evtl. der Firmenmarke.

3.2.5 Instruktion
Kürzere Anweisungen an die Vpn sind wörtlich, längere sinngemäß wiederzugeben. Evtl. vollständige Instruktion in den Anhang. Mündliche oder schriftliche Darbietung.

3.2.6 Versuchsleiter/in
Falls angenommen werden muss, dass Merkmale des Versuchsleiters bzw. der Versuchsleiterin sich auf die Ergebnisse auswirken werden, müssen hierzu genaue Angaben gemacht werden.

3.2.7 Versuchsdurchführung
Zeitliche und räumliche Bedingungen; Reihenfolge, in der die Vpn an verschiedenen Versuchsbedingungen teilgenommen haben und Art und Weise, in der Reihenfolgeneffekte ausgeschlossen werden können; Ablauf einer typischen Versuchssitzung; bei einigen Experimenten, z. B. Wahrnehmungsuntersuchungen, kann die Darstellung der räumlichen Anordnung des Versuchs relevant sein. Art der Registrierung des Datenmaterials.

3.3 Ergebnisse
In diesem Abschnitt werden die Ergebnisse der Auswertungen des Datenmaterials beschrieben. Die Ergebnisse müssen so dokumentiert werden, dass sie für den Leser/die Leserin verständlich und anschaulich sind. Bei Signifikanztests reicht nicht der Hinweis auf die Signifikanz der Ergebnisse, gewähltes Signifikanzniveau und Zahl der Freiheitsgrade ist anzugeben. Die Ergebnisse sind in tabellarischer oder graphischer Form aufzubereiten.
Die Art und Weise der Auswertung ist anzugeben. Begründung der Auswahl des Verfahrens und der statistischen Kennwerte. Bei Anwendung ausgefallener statistischer Testverfahren ist die Quelle anzugeben. Evtl. Angabe des verwendeten Computer-Statistikpakets.
Bei qualitativen Ergebnissen sind diese verbal zu beschreiben, z. B. Darstellung einer erarbeiteten Klassifikation, einer kognitiven Karte etc.
Eine Bewertung der Ergebnisse, z. B. die Beurteilung, ob die Hypothesen der Untersuchung bestätigt worden sind, hat bei der Darstellung der Ergebnisse aus wissenschaftslogischen Gründen nichts zu suchen.

3.4 Diskussion
Interpretation der Ergebnisse in bezug auf die eingangs dargestellte Fragestellung. Während in Abschnitt 3 die Ergebnisse lediglich beschrieben werden, werden sie hier gedeutet. Annehmen oder Ablehnen der Hypothesen.
Bewertung der Ergebnisse in Hinblick auf weitere Untersuchungen, evtl. Vorschläge für Weiterführungen, Ausblick.

3.5 Zusammenfassung
Aus der Zusammenfassung muss für den Leser/die Leserin die Fragestellung, die Methode, die Ergebnisse und die Interpretation ersichtlich sein. Die Zusammenfassung darf keine neuen Gedanken, Interpretationen oder gar Ergebnisse enthalten, die in der Arbeit selbst noch nicht enthalten waren.

3.6 Literaturverzeichnis
Sämtliche Quellenverweise im Text müssen im Literaturverzeichnis mit ihren vollständigen bibliographischen Angaben aufgeführt werden (vgl. hierzu Deutsche Gesellschaft für Psychologie, 1987). Die Quellenangaben im Text müssen vollständig mit den Quellenangaben im Literaturverzeichnis übereinstimmen. Das heißt: sämtliche im Text zitierte Literatur muss im Literaturverzeichnis aufgeführt sein. Umgekehrt muss auch sämtliche Literatur im Literaturverzeichnis im Text auffindbar sein. Ein Literaturverzeichnis ist keine Leseempfehlung an den Leser, sondern ein Nachweis über tatsächlich verwendete Literatur.
Das Literaturverzeichnis wird nach Verfassernamen alphabetisch geordnet (vgl. Deutsche Gesellschaft für Psychologie, 1987, S. 32ff.).

3.7 Anhang
In den Anhang gehört sämtliches Material, das für die Untersuchung verwendet worden ist, sofern es nicht bereits vollständig im Abschnitt Methode wiedergegeben wurde: Instruktionen, Listen sinnloser Silben, Reizvorlagen, Fragebogen, Interviewleitfaden. Auch umfangreiche Tabellen oder graphische Darstellungen können im Anhang dokumentiert werden. Im Text muss dann jeweils ein exakter Verweis erfolgen, wo die betreffende Tabelle oder graphische Darstellung aufgefunden werden kann. Des weiteren sind die Rohdaten im Anhang zu dokumentieren.

4 Sprachliche Gestaltung

Akademische Titel werden in Literaturangaben nicht erwähnt. Lediglich bei "persönlichen Mitteilungen" und in Vorworten, Danksagungen etc. wird der Titel genannt.

Gebräuchliche Abkürzungen sollten verwendet werden. Neu eingeführte Abkürzungen müssen, wenn sie zahlreich sind, in einem Abkürzungsverzeichnis am Anfang oder am Ende des Textes in einer Liste aufgeführt werden. Es ist aber zu bedenken, dass zu viele Abkürzungen einen Text unlesbar machen.

Für wissenschaftliche Darstellungen ist eine eher nüchterne Sprache zu verwenden. Klare Formulierungen sollten den Vorrang haben vor stilistischer Originalität. Für einen Begriff sollte stets derselbe Ausdruck verwendet werden, da sonst leicht Missverständnisse entstehen können. Die Ich-Form ist in wissenschaftlichen Arbeiten im allgemeinen nicht üblich. Es sollten stets ganze, d. h. grammatikalisch vollständige Sätze verwendet werden.

Eine wissenschaftliche Arbeit sollte frei sein von Rechtschreib-, Syntax- und Interpunktionsfehlern. Tippfehler müssen sorgfältig kontrolliert werden.

Englische Zitate werden original zitiert, nicht übersetzt, da man davon ausgeht, dass die Leser/innen einer solchen Arbeit der Englischen Sprache mächtig sind. Anderssprachige Zitate können original zitiert werden, unmittelbar anschließend sollte jedoch die Übersetzung folgen mit dem Hinweis darauf, wer der Übersetzer/die Übersetzerin ist.

5 Literatur

  • American Psychological Association. (1996). Publication Manual of the American Psychological Association (4th ed.). Washington, D.C: Author.
  • Deutsche Gesellschaft für Psychologie. (Hrsg.). (1987). Richtlinien zur Manuskriptgestaltung. Göttingen: Hogrefe.
  • Höge, H. (1994). Schriftliche Arbeiten im Studium. Stuttgart: Kohlhammer.

6 Anhang

Auf vielfachen Wunsch folgen hier noch einige Hinweise zur formalen Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. Allerdings bitte ich darum, sich den folgenden Zahlen nicht sklavisch zu ergeben, sondern intelligent damit umzugehen (;-). Normalerweise haben Betreuer/innen Besseres zu tun, als mit dem Geodreieck nachzumessen.

Die Arbeit muss maschinenschriftlich auf DIN-A-4-Papier einseitig gedruckt sein, das heißt die Rückseite des Blattes wird nicht bedruckt (wirklich nicht, auch in Zeiten wachsenden ökologischen Bewusstseins nicht). Die Blätter werden mittels eines einfachen Heftstreifens (ca. DM 0,50) zusammengeheftet. (Hierzu evtl. die einzelnen Betreuer befragen, ich selbst finde das am praktischsten.)

Der Seitenrand sollte links etwa 3 cm sowie rechts, oben und unten etwa 2,5 cm betragen. Eine Serifenschrift, d.h. eine Schrift mit kleinen Häkchen an den Enden ist im allgemeinen weniger ermüdend für das Auge. Eine Schriftgröße von 12 Punkt ist angenehm zu lesen, ebenso ein Zeilenabstand von mindestens 1,3 Zeilen. Die Schriftgröße variiert beispielsweise auch mit der Schriftart, Times Roman ist kleiner als Palatino. Blocksatz ist ebenfalls angenehmer zu lesen als Flatterrand, ist jedoch nur mit dem Computer zu bewerkstelligen. Kopf- und/oder Fußzeilen sind nicht unbedingt erforderlich, dafür aber Seitenzahlen, sowohl im Text als auch im Inhaltsverzeichnis. Fußnoten können nach Bedarf gesetzt werden, sollten aber nicht Überhand nehmen (z. B. mehr Fußnote als Text auf einer Seite.) Bis auf die Seitenzahlen wird jede/r Betreuer/in eigene Präferenzen haben, daher bitte im Zweifelsfall immer nachfragen.

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