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Humboldt-Universität zu Berlin - Lebenswissen­schaftliche Fakultät - Institut für Psychologie

Mechanismen der Zwangsstörung


Zwangserkrankungen sind relativ häufige Störungen (1-3%), deren spezifische Merkmale, Ursachen und Veränderungsmöglichkeiten bisher erst in Ansätzen verstanden werden. Wir untersuchen störungstypische kognitive, emotionale und neurobiologische Prozesse und hoffen damit einen Beitrag zum Verständnis und zur besseren Behandelbarkeit dieser schweren Störungen zu leisten. Als Untersuchungsmethoden werden neuropsychologische Testverfahren, experimentelle behaviorale Paradigmen (Reaktionszeitaufgaben wie z.B. Erikson Flanker Task oder Negative Priming Task, Lernaufgaben wie z.B. Object Alternation Task), EEG-Messungen (P300, Error Negativity, etc.) und funktionelle Hirnaktivitätsdarstellungen (fMRI) verwendet.

Derzeit werden Studien durchgeführt zu den Themen:

  • Prozedurales Lernen
  • Belohnungsabhängiges Lernen
  • Fehler- und Konfliktmonitoring
  • Aufmerksamkeit und inhibitorische Funktionen


Studienbeispiel:
Es wird die Hypothese verfolgt, dass Zwangsstörungen durch eine Dysregulation fronto-striataler Netzwerke gekennzeichnet sind. Als eine Indikatorfunktion für die Intaktheit dieser neuronalen Strukturen wird das prozedurale Lernen betrachtet. Eine typische Aufgabe zur Prüfung des prozeduralen Lernens erfordert, dass Sequenzen von einfachen motorischen Reaktionen so lange geübt werden, bis eine Leistungssteigerung durch Automatisierung eingetreten ist, ohne dass das Gelernte bewusst repräsentiert ist (serielle Reaktionszeitaufgabe). Patienten mit Läsionen oder Störungen der Basalganglien weisen typischerweise Defizite des prozeduralen Lernens auf. In einer Serie von Experimenten wird geprüft, (1) ob Patienten mit Zwangsstörungen ebenfalls solche Einbußen zeigen, (2) ob diese Einbußen diagnosespezifisch sind, (3) ob sie nur unter gleichzeitigen Anforderungen an das explizite Lernen auftreten (dual task), und (4) ob sie spezifisch für das Erlernen von räumlichen Sequenzen vorkommen. In einer abgeschlossenen Studie wurde bei 33 Patienten mit Zwangsstörung im Vergleich zu 27 Kontrollprobanden ohne psychiatrische Diagnose eine signifikante Verminderung des prozeduralen Lerneffektes festgestellt. Die expliziten Gedächtnisleistungen waren unauffällig. In einer follow-up Untersuchung erwies sich das Defizit als stabil trotz deutlich reduzierter Symptomatik. Die Ergebnisse sprechen für ein stabiles Defizit, möglicherweise im Sinne eines Vulnerabilitätsmarkers. Als nächster Schritt soll nun die diagnostische Spezifität geprüft werden, sowie der verlaufs- und therapieprädiktive Wert des Indikators.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Norbert Kathmann


Weitere Mitarbeiter

Dr. Tanja Endrass, Dr. Christian Kaufmann, Irmela von Stralendorff (Stipendiatin)
Beate Schürmann (studentische Hilfskraft), Franziska Preuße (studentische Hilfskraft)


Finanzierung

Bordmittel


Kooperationspartner

  • Prof. Dr. A. Heinz, Prof. Dr. M. Bauer & PD Dr. A. Ströhle: Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Charite Mitte, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
  • Dr. I. Anghelescu: Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Klinik und Hochschulambulanz für Psychi-atrie und Psychotherapie
  • Prof. Dr. A. Villringer: Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Charite Mitte, Klinik für Neurologie und Berlin Neuroimaging Center (BNIC)
  • Prof. Dr. G. Juckel: Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Ruhr Universität, Westfälisches Zentrum Bochum
  • Prof. Dr. M. Zaudig & Dipl.-Psych. W. Hauke: Psychosomatische Klinik Windach am Ammersee
  • Prof. Dr. E. Geissner: Psychosomatische Klinik Roseneck
  • Dr. T. Deckersbach & Dr. U. Buhlmann: OCD Clinic, Massachusetts General Hospital, Boston


Publikationen und Berichte

  • Müller, N., Putz, A., Kathmann, N., Lehle, R., & Straube, A. (1997). Differentiation of obsessive-compulsive symptoms in Tourette's syndrome, Parkinson's disease, and obsessive-compulsive disorder. Psychiatry Research, 70, 105-114.
  • Kathmann, N. (1998). Neuropsychologie der Zwangserkrankung. Psychotherapie in Psychiatrie, Psychotherapeutischer Medizin und Klinischer Psychologie, 3, 249-257.
  • Grabe HJ, Parschau A, Thiel A, Kathmann N, Boerner R, Hoff P, Freyberger HJ. (2002). Die AMDP-Rating Skala für Zwangssymptomatik – 2. Version. Fortschritte der Neurolologie Psychiatrie, 70, 227-233.
  • Kathmann, N., Rupertseder, C., Hauke, W., & Zaudig, M. (2005). Implicit sequence learning in obsessive-compulsive disorder: Further support for the fronto-striatal dysfunction model. Biological Psychiatry, 58, 239-244.
  • Kathmann, N., Glück, S., Altmann, R., Savina, M., & Endrass, T. (2005). The new or the aversive: What triggers hyperattention in patients with obsessive compulsive disorder? Psychophysiology, 42, s1, S95.
  • Buhlmann, U., Deckersbach, T., Engelhard, I., Cook, L.M., Rauch, S., Kathmann, N., Wilhelm, S., Savage, C.R.: Cognitive Retraining for organizational impairment in obsessive-compulsive disorder. Psychiatry Research, in press


Projektbezogene Doktorarbeiten

abgeschlossen

  • Bogdahn, Bettina (2002): Zwangsstörung und Negatives Priming: Spezifizierung kognitiver Hemmungsdefizite.


in Vorbereitung

  • von Stralendorff, Irmela: Belohnungslernen in Object Alternation und Reversal Learning Aufgaben bei Patienten mit Zwangsstörung.
  • Bauer, Anja: Implizites Lernen in der seriellen Reaktionszeitaufgabe: Aufgabeneffekten bei Patienten mit Zwangsstörungen und mit Panikstörungen.
  • Buhtz, Friederike: Neuropsychologie der Zwangserkrankung: störungsspezifische oder depressionsbedingte Defizite?


Projektbezogene Diplomarbeiten

abgeschlossen

  • Rupertseder, Claudia (1998): Zwangserkrankung. Experimentelle Studie zur Prüfung impliziter und expliziter Lern- und Gedächtnisleistungen.
  • Glück, Sandra (2005): Neurobiologische Korrelate der Verarbeitung neuer und affektiver Bilder bei Personen mit Zwangsstörungen
  • Schuster, Fanny (2007): Psychophysiologie der Fehler- und Konfliktverarbeitung bei Patienten mit Zwangsstörung.
  • Klawohn, Julia (2007): Psychophysiologie der Fehler- und Konfliktverarbeitung bei Patienten mit Zwangsstörung.
  • Preuße, Franziska (2006): FMRI-Studie zu monetären Belohnungs- und Bestrafungseffekten bei Patienten mit Zwangsstörungen.
  • Muzyczka, Anna (2006): FMRI-Studie zu monetären Belohnungs- und Bestrafungseffekten bei gesunden Probanden.
  • Holzschneider, Kathrin (2007): Implizites Lernen in der seriellen Reaktionszeitaufgabe: Einflüsse depressiver Störungen auf verschiedene Aufgabenvarianten.