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Humboldt-Universität zu Berlin - Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät II - Institut für Psychologie

Forschungsprojekte

 


 

Einsicht: Neurowissenschaftliche Untersuchungen des Einflusses von Wissen auf Wahrnehmung und Bewusstsein

 

  • seit Mai 2012
  • Leitung: Prof. Dr. Rasha Abdel Rahman
  • Projektmitglieder: Milena Rabovsky
  • Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

 

Traditionellen Modellannahmen zufolge findet der Zugriff auf semantische Wissensinhalte zu einem vergleichsweise späten Zeitpunkt nach der abgeschlossenen perzeptuellen Analyse statt und hat auf diese keinen Einfluss. Aktuelle Befunde weisen jedoch darauf hin, dass die in unserem Gedächtnis gespeicherten Wissensstrukturen einen sogar beträchtlichen Einfluss auf elementare perzeptuelle Leistungen haben können. Je nach Art des Wissens und der betroffenen bewussten oder unbewussten perzeptuellen Prozesse kann dies erhebliche Konsequenzen für die Wahrnehmung und Beurteilung unserer Umwelt, aber auch für unser Verhalten und unsere sozialen Interaktionen haben. Die Erforschung dieses bislang wenig untersuchten Wechselspiels zwischen Wissen, Wahrnehmung und visuellem Bewusstsein steht im Zentrum dieses Projekts. Mit neurowissenschaftlichen Methoden sollen die Einflüsse semantisch-funktionalen, affektiven und sprachlichen Wissens untersucht und verglichen werden. Insgesamt könnte dieses Projekt interessante Informationen darüber liefern, wie Wissen, aber auch vermeintliches Wissen und Vorurteile die (bewusste) Wahrnehmung von Personen und Gegenständen in unserer Umgebung prägt.
 


 

Dynamik und Flexibilität des Sprachproduktionssystems

 

  • seit November 2008
  • Leitung: Prof. Dr. Rasha Abdel Rahman
  • Projektmitglieder: Sebastian Rose
  • Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

 

Der Zugriff auf das mentale Lexikon im Verlauf der Sprechplanung wurde lange Zeit nahezu unumstritten als kompetitiver Prozess betrachtet, während dessen die Selektion einer geplanten Zieläußerung mit semantischen Alternativen konkurriert. Jüngere Befunde, insbesondere berichtete Ausnahmen semantischer Interferenzeffekte, haben jedoch eine theoretische Kontroverse hinsichtlich der Lokalisation dieser Effekte und der Existenz lexikalischer Konkurrenzmechanismen ausgelöst, zu deren Klärung das Projekt beitragen soll. Dabei wird lexikalische Kohortenaktivierung als ein neuer Ansatz zur Erklärung der divergenten Befunde vorgeschlagen und als maßgebliche Determinante für das Auftreten von Interferenzeffekten getestet. In einer Serie von Experimenten wird untersucht, inwiefern kontextuelle Modulationen eine Aktivierung lexikalischer Kohorten bewirken und somit semantische Interferenzeffekte induzieren können. Ein zentrales Ziel dieser Experimente ist die Untersuchung der Flexibilität und situationsspezifischen Formbarkeit der Mikrostruktur der Sprechplanung durch Kohortenaktivierung.

 



Wie Wunder wirken: minimal kontraintuitive Konzepte im Kontext von Emotion und Sprachstil

 

  • seit Oktober 2009
  • Leitung: Prof. Dr. Rasha Abdel Rahman, Prof. Dr. Werner Sommer, Prof. Dr. Arthur Jacobs, Prof. Dr. Oliver Lubrich
  • Projektmitglieder: Sabrina Aristei, Thomas Nehrlich, Christine Knoop
  • Förderung durch den Exzellenzcluster 302 "Languages of Emotion", Freie Universität Berlin


Unser „semantisches“ Langzeitwissen, wie wir es im Laufe des Lebens erwerben, enthält Konzepte, die häufig in Form klar strukturierter Taxonomien, Kategorien oder Assoziationen organisiert sind. Interessanterweise sind viele kulturell erfolgreiche Konzepte, wie sie beispielsweise in Märchen oder Mythen enthalten sind, gerade durch ihre Eigenschaft gekennzeichnet, diese scheinbar klaren Strukturen des semantischen Systems zu verletzen, beispielsweise Zombies (agierende Tote), Geister (körperlose Agenten), Substanzverwandlungen oder sprechende Tiere. Diese so genannten minimal kontraintuitiven Elemente (MCIs) sind möglicherweise mitverantwortlich für den Erfolg derartiger Wissensinhalte. Kulturell besonders erfolgreiche MCIs scheinen weiterhin durch einen ausgeprägten emotionalen Kontext gekennzeichnet zu sein und über einen spezifischen, in der Regel „gehobenen“ Sprachduktus vermittelt zu werden. Das Projekt untersucht die neurokognitiven Wirkmechanismen des Erfolgs von MCIs mit Verhaltensstudien in Kombination mit neurowissenschaftlichen Verfahren (EEG, fMRI) und Modellierungen.

 



Semantische Expertise in der Gesichtererkennung und Sprachproduktion (abgeschlossen)

 

  • seit Dezember 2004
  • Leitung: Dr. R. Abdel Rahman
  • Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

 

Zu den praktisch bedeutsamsten Funktionen des menschlichen informations-verarbeitenden Systems gehören die Fähigkeiten des Erkennens bekannter Gesichter und Objekte und der Sprachproduktion, wobei in beiden Bereichen der Abruf semantischer Informationen eine elementare Verarbeitungskomponente darstellt. In diesem Projekt werden Gesichtererkennung bzw. Benennung und Sprachproduktion unter dem Aspekt der semantischen Expertise untersucht. Im speziellen wird der Frage nachgegangen, ob und in welcher Ausprägung ein zunehmendes Maß im Langzeitgedächtnis gespeicherten Wissens mit funktionalen Veränderungen der Identifikations- und Benennungsleistung einhergeht und ob neuronale Korrelate semantischer Expertise identifiziert werden können.